früher

Weißt du noch,
wie unsere Seelen sich trafen,
noch müde vom Schlafen,
und voller Sehnsucht und Mut
Wasser dicker werden ließen als Blut,
wodurch ein Wort genügte,
um uns zum Lachen zu bringen,
wir selbst nach der schärfsten Kritik
immer gemeinsam durchs Feuer gingen
und sich unsere Streitkultur,
diese wilde Kreatur,
ins Vertragen verliebte?

Weißt du noch,
wie wir uns blind verstanden
jede Grenze überwanden,
immer weiter versanken
in unseren völlig verrückten Gedanken,
alles ausprobierten
und uns nie ganz integrierten,
weil wir von Anfang an
irgendwie anders funktionierten?

Weißt du noch,
wie weise wir die Räume wählten,
unsere geheimen Orte,
an denen uns niemand störte
und wir uns alles erzählten,
an denen uns die Welt gehörte
und keine Regeln galten,
an denen wir die Realität verbogen
und ohne anzuhalten
Richtung Traumwelt flogen,
um das Leben zu finden?

Weißt du noch,
wie oft wir zusammensaßen
und die Zeit vergaßen
in dem festen Glauben,
nur das beste Liebste
könnte uns glücklich machen,
uns dabei aber immer wieder verrannten,
weil wir nie erkannten,
dass es unsere Freundschaft war,
nach der wir suchten?

Und weißt du eigentlich,
dass jede Sekunde mit dir
für mich ein Abenteuer war,
jede Woche, jedes Jahr,
einfach unbezahlbar?

Und weißt du eigentlich,
wie oft ich innerlich weine,
wenn mir wieder bewusst wird,
dass diese Zeit längst vorbei ist?

für Alex

© Marie Marén Nitz | @dieschreibendeseele

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